Auszeit in der Auszeit

Eigentlich wollte Sie nur ein halbes Jahr Auszeit nehmen. Und dann kam Corona...

Ein Blogartikel von Lisa Binder, 23.04.2020

Vor rund einem Jahr beschloss ich 2020 in eine Auszeit zu gehen. Meine Elternzeitvertretung als Leiterin Marketing & Recruiting endete durch die Befristung automatisch und meine freiberufliche Tätigkeit als Personalberaterin gab ich auf.

 

Nachdem ich meine Entscheidung getroffen hatte, fragte ich mich immer wieder, was ich in meiner freien Zeit erleben wolle. Ich versuchte im Gespräch mit anderen eine Idee zu finden, um in meinem 6-monatigen Sabbatical ein Ziel verfolgen zu können. Doch Ende Dezember 2019 wusste ich immer noch nicht, wie ich meine Auszeit am liebsten gestalten wolle.

Also ging ich mit optimistischer Haltung in die „Freiheit“ und der Erwartung, es würde sich in der Ruhezeit entwickeln.

Ich verbrachte viel Zeit mit mir selbst. Nahm mich bewusst aus allen privaten Engagements heraus und wurde stiller, um zu hören.

Meiner Passion - der Musik - widmete ich mich stärker. Ich sang und übte meine liebsten Stücke und merkte wie ich an meine persönlichen Grenzen kam.

Wut und Ärger wuchs in mir – jahrelanges Üben brachte mich nur geringfügig weiter. Ich verschaffte dem Ärger Luft, schrie und heulte bis ich wieder ruhig wurde. 

Ich lies los und konnte akzeptieren. Und im inneren wurde mir klar, ich musste liebevoller handeln – mit mir selbst und mit anderen. 

Der Durchbruch lies nicht lange auf sich warten. Ich schaffte meine Hürden zu überwinden mit Liebe und Annahme. Es ging leicht, ich sang, als ob ich nie etwas anderes getan hätte. Glückseligkeit stellte sich ein. 

 

Ich genoss zwei Monate meiner Auszeit und dann kam der Shutdown. Corona machte sich breit und die Auszeit wurde zur absoluten Reduktion. 

Anfangs war diese Ausnahmezustand für mich noch recht unmerklich, bis auf das nicht vorhandene Toilettenpapier in den Läden. 

Es dauerte ein paar Tage bis mir das ganze Ausmaß bewusst wurde. Doch dieser weltweite Shutdown beruhigte mich. Ich war weniger Fragen ausgesetzt, wie ich meine Auszeit verbringen würde. Reisen war nicht möglich, der Kontakt mit Menschen wurde bis auf das Äußerste verboten und von allen Seiten schallte es „Bleib zu Hause“!

 

Meine Wochenhighlights waren die Lebensmitteileinkäufe. Ich schwang mich auf mein Fahrrad (mein Auto wurde vor dem Sabbatical zum Totalschaden) und radelte 5 km zu meinem Ziel. Noch ein paar Monate vorher war ich nicht im Besitz eines Fahrrads und jetzt hatte ich einen regelrechten Drang mich auf mein Rad zu schwingen und wurde von Woche zu Woche fitter.

Doch auch verdrängte Themen wir die Altersvorsorge traten  mehr in den Vordergrund. Ich beschäftigte mich intensiv mit den Optionen und ganz unerwartet fand ich auch eine Gefährtin, mit der ich mich auf den Weg machte und Schritte wagte. Online-Video-Meetings wurden zum beliebtesten Kommunikationsmittel und schafften mehr Verbundenheit, als ein Telefonat. 

Und auch die Frage, wie es nach meinem Sabbatical weitergehen würde, wurde immer lauter. Ich wusste, so wie es bisher war, sollte es nicht weitergehen. Meine Vision im musikalischen Bereich tätig zu werden wurde im klarer. Antworten auf meine Frage und Ideen für Projekte kamen einfach so - zwischendurch im Gespräch mit meinem Partner, aber als klare Offenbarungen. Nach und nach nähere ich mich diesen an.

 

So wie unser Herzschlag geschieht und den Körper in Bewegung hält, so lasse ich mich bewegen vom Leben selbst. Während des Shutdowns zum Innehalten und Hören, um Kreativität mehr Raum zu geben. Sowie in kleinen, aktiven Schritten zur Vorbereitung auf die Zeit nach meinem Sabbatical. Mit dem Wissen, dass das Leben geschieht und der Freude und dem Grundvertrauen getragen zu werden.